Original-Titel: | Eight legged freaks |
Herstellungsland: | USA 2002 |
Regie: | Ellory Elkayem |
Buch: | Ellory Elkayem
Jesse Alexander Michael B. Valle |
Darsteller: | David Arquette
Kari Wuhrer Scott Terra |
Einige Filmemacher haben in der Vergangenheit bereits die Urangst mancher Zeitgenossen vor den achtbeinigen, faszinierenden und äußerst interessanten Viechern ausgenutzt, um uns das Fürchten zu lernen. In "Tarantula" von Jack Arnold metzelte sich eine auf Einfamilienhausgröße mutierte Tarantel durch ein Wüstenkaff, um schließlich von Clint Eastwood eingeäschert zu werden. "Kingdom of the Spiders" mit "Star Trek"-Ikone William Shatner schilderte den Angriff einer ganzen Horde von Vogelspinnen auf die typische Kleinstadt als eine Art Variante von Hitchcocks "Die Vögel". Der letzte auch an den Kinokassen erfolgreiche Beitrag zum Genre des Achtbeinerterrors namens "Arachnophobia" präsentierte sich als Mischung aus Komödie und Horror, die sich selbst nicht besonders ernst nahm und trotzdem manche Szene bot, die den Spinnenphobiker aus dem Kinosessel katapultieren konnte.
[Die Anmerkungen, auf die die Zahlen in eckigen Klammern verweisen, müssen nicht unbedingt gelesen werden, um die Kritik zu verstehen. Dort greife ich Aspekte oder Szenen des Films auf, um meine Ansicht zu verdeutlichen. Allerdings wird in den Anmerkungen massiv gespoilert!]
Ellory Elkayem, der Mitautor und Regisseur von "Arac Attack", will seinen
filmischen Beitrag als Hommage an das Horror- und SF-Kino der 50er Jahre
verstanden wissen. Die Story ist denkbar einfach: Durch Giftmüll zu
ungewöhnlicher Größe mutiert, überfällt eine
Bande Arachnoiden, aus den unterschiedlichsten Arten zusammengesetzt, das
genretypische Wüstenkaff. Das klingt langweilig und wäre es wahrscheinlich
auch, würde sich der Streifen selbst absolut ernst nehmen. Elkayem
macht sich erst gar nicht die Mühe, gängige Klischees zu vermeiden,
sondern zelebriert sie geradezu. So ist selbstverständlich die Kleinstadt
vom Ruin bedroht, der Bürgermeister ein korrupter Machtmensch, der
Held (David Arquette, der seit "Road Racers" von Rodriguez bei mir unter
Naturschutz steht) ein zurückgekehrter Einheimischer, der die Stadt
wieder hochbringen und außerdem seine Jugendliebe in Form des resoluten
weiblichen Sheriffs Sam (dargestellt von Erotik-Sternchen Kari Wuhrer,
über die die AMDb folgendes außergewöhnliche Merkmal zu
berichten weiß: "Has breast implants") erobern möchte. Dem Kind,
das die Gefahr, die der Stadt droht, als erstes erkennt, glaubt selbstverständlich
keiner.
Gemäß der Orientierung an die Filme der 50er Jahre, die
erst einmal die Hauptpersonen vorstellten sowie ihre Beziehungen untereinander
deutlich machten, bis es richtig ans Eingemachte ging, beginnt der Film
ruhig und ohne besondere Höhepunkte, so daß fast gepflegte Langweile
aufzukommen droht. Es dauert jedoch nicht lang, bis die Monster schließlich
mit geradezu fröhlich-ausgelassener Begeisterung die Jagdsaison eröffnen.
Mit Lauten, die teilweise verdächtig nach "Jippieh!" klingen, stürzen
sie sich auf ihre Beute, zerlegen Stadt und Umgebung und liefern dabei
einige der absurd-komischsten Situationen, die ich jemals auf der Leinwand
erleben durfte (was passiert, wenn sich ein hungriger Arachnoid auf einen
ausgestopften Stierkopf stürzt, sollte man selbst gesehen haben).
Dabei schwankt der Streifen dauernd zwischen Slapstick, schwarzem Humor
und gelungener Parodie auf eine Vielzahl bekannter Filme der letzten Jahre,
ohne dabei lediglich zur reinen Nummernshow zu verkommen. Zitiert wird
so einiges, wobei manches eher versteckt, manches offensichtlich präsentiert
wird. Für den Genre-Fan ist es natürlich ein Vergnügen,
die Anspielungen zu suchen - und er wird reichlich fündig[1].
Den Charme, den der Streifen dabei entwickelt, ist in Ansätzen mit
(dem unterschätzten) "Tremors" vergleichbar. In "Tremors" war die
Bedrohung allerdings wesentlich subtiler, während "Arac Attack" mehr
auf die bildliche Wirkung seiner eigentlichen Monster-Helden setzt (wobei
ich mich teilweise gefragt habe, ob in bestimmten Szenen eine Hommage an
eine Hommage herbeigeführt wird, wenn etwa die Einwohner angewiesen
werden, sich äußerst ruhig zu verhalten, weil Spinnen ähnlich
wie die 'Tremors' durch Geräusche angelockt werden).
Die Logik bleibt natürlich auf der Strecke, denn Spinnen sind
im allgemeinen Einzelgänger und arbeiten - zumal unterschiedlicher
Arten entstammend - kaum so gut zusammen wie in "Arac Attack", in dem eine
Tarantel den Weg für die Mitstreiter freimacht. Zudem weisen manche
Spinnen im Film zumindest im Ansatz geradezu menschliche Eigenschaften
und Verhaltensweisen auf, die so selbstverständlich kaum in der Natur
vorkommen. Dies tut dem Film jedoch keinen Abbruch, wird sich doch keineswegs
bemüht, auch nur annähernd ein realistisches Bild einer Riesenspinneninvasion
zu zeichen. Ganz klar steht der kindhafte und geradezu anarchistisch anmutende
Spaß an der Zerstörung im Vordergrund; das Spiel mit dem Ekel
vor den Arachnoiden ist lediglich Beiwerk, obwohl zumindest eine Szene
hart an der Kotzgrenze schrammt[2]. Auf richtige Splattersequenzen
wird übrigens verzichtet, wären meiner Meinung nach aber auch
unnötig. Das Argument eines Namensvetters von mir, der behauptete,
"Arac Attack" würde seine 'harten' Sequenzen durch unnötige komödiantische
Einlagen entschärfen suchen im Hinsicht auf eine niedrige Freigabe,
kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen, weil der gesamte Film
nun einmal auf den Spaß ausgerichtet ist - ganz im Gegenteil zu jenen
modernen Produkten, deren 'Selbstironie' lediglich aufgesetzt wirkt, um
den Kontext vorangegangener Szenen zu entschuldigen[3].
Roland Emmerichs Trickschmiede hat sehr gute Arbeit bei der Erschaffung
der "eight legged freaks" geleistet. In einzelnen Szenen merkt man den
Viechern zwar ihre digitale Herkunft an, was jedoch bei der Art der Inszenierung
kein Manko darstellt, denn was wäre ein gelungener Trashfilm ohne
manchen durchschaubaren Spezialeffekt? Wie groß der Part von Emmerich
bei der Fertigstellung des Streifens wirklich war, kann ich nicht beurteilen.
Gegen eine größere Einmischung des deutschen Regisseurs spricht
die Originalität des Streifens sowie die Leichtigkeit der Inszenierung,
die ich bei Emmerich so nie wahrgenommen habe. Die typische Zerstörungswut
ist zwar da, wird aber niemals in den Ausmaßen wie in "Independence
Day" oder "Godzilla" zelebriert, sondern eher beiläufig präsentiert.
Zudem transportiert der Streifen nicht mal annähernd irgendeine pathetisch
erscheinende Botschaft, sondern vermeidet jede auch nur peinliche Gefühlsmanipulation[4].
"Arac Attack" ist (trotz der eher verhaltenen ersten halben Stunde) der gelungenste neuere Partyfilm, den ich in letzter Zeit gesehen habe. Wer einen ernsthaften Beitrag zum Horrorfilm oder einen spannungsgeladenen "Aliens"-Klon erwartet, sollte allerdings zu Hause bleiben. Der Streifen ist eher für ein Publikum gedacht, das sich bei sinn- und hirnlosen Beiträgen wie "Attack of the Killer Klowns" oder "Army of Darkness" hilflos auf dem Boden kugelt, während ihnen jene bemitleidenswerten Zeitgenossen, die nicht den geringsten Sinn für absoluten Trash haben, kopfschüttelnd zusehen und erbost den Filmsaal verlassen, dabei Worthülsen wie "überflüssig", "unlogisch" und "Schwachsinn" vor sich herbrabbelnd - was es natürlich auch trifft, jedoch nicht in jedem Zusammenhang eine Abwertung darstellt. Von mir bekommt der Film eine Bewertung von 4 von 5 möglichen Bierdosen und weitere 5 Sympathiepunkte von 'Lapidara Irispupilla' (mein neues Haustier, nach einer Idee von Thomas "Jodo" Neitz benamst) für die Darstellung seiner 'Monster'.
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[1] So erinnert die Belagerungsszene im Einkaufszentrum
wohl nicht zufällig an "Dawn of the Dead", während der Ansturm
der Monster außen direkt aus "Starship Troopers" entlehnt scheint.
Mit Hockeymaske und Kettensäge wird sich gegen die Gefahr erwehrt,
die schon mal aus den Flammen eines Tankwagens scheinbar unversehrt hüpft.
Den fiesen Menschen, der sich von der Gruppe trennt und diesen zudem des
Fluchtweges beraubt, habe ich ebenfalls noch gut aus einem sehr bekannten
Streifen in Erinnerung, ebenso wie einen bestimmten Motorrad-Stunt.
[2] In einer Sequenz saugt ein Arbeiter mit Lungenkraft das Hindernis, das einen Wasserschlauch verstopft, heraus. Welcher Art dieser Propfen ist, kann sich der Leser mit Sicherheit vorstellen. Unangenehm, das!
[3] "Arac Attack" schert sich zudem wenig um die 'gerechte Bestrafung' von Bösewichtern. Der korrupte Bürgermeister darf überleben, auch wenn sein Einkaufszentrum schließlich untergeht, während der sympathische ältliche Barbier in einer urkomischen Szene eine Begegnung der besonderen Art mit einem zumindest kurzfristig ebenso sympathischen Achtbeiner mit seinem Leben bezahlt.
[4] Besonders die Szene, in der Chris seiner angebeteten Sam seine Liebe gesteht, macht dies deutlich. Statt für Gefühlsdusselei sorgt dieser Part für einige Lacher und wird ganz nebenher abgehandelt (inklusive Bemerkung von Chris: "Na, das war aber einfach!").